KI in der CNC-Fertigung EU-AI-Act-konform einsetzen
Welche Fertigungs-KI ist Hochrisiko – und welche nicht? Eine ehrliche Risikoeinordnung für Zerspanung und Metallbau, mit den entscheidenden Ausnahmen.
Viele Fertiger sind verunsichert: Macht der EU AI Act jeden KI-Einsatz in der Werkstatt zum Hochrisiko-Fall? Die ehrliche Antwort: nein. Der weitaus größte Teil typischer Fertigungs-KI ist nicht Hochrisiko. Aber es gibt klar abgegrenzte Ausnahmen – und die sollten Sie kennen, bevor Sie investieren.
Die vier Risikostufen – kurz erklärt
- Verboten: manipulative oder bestimmte überwachende Praktiken (in der Fertigung praktisch nicht relevant)
- Hochrisiko: nur in den Bereichen aus Anhang III – oder als Sicherheitsbauteil von Produkten nach Anhang I
- Begrenztes Risiko: Transparenzpflichten, etwa bei Chatbots oder KI-generierten Inhalten (Art. 50)
- Minimales Risiko: der Normalfall – z. B. Schnittwert-Optimierung, Nesting, Predictive Maintenance
Was in der CNC-Fertigung meist KEIN Hochrisiko ist
Schnittwert- und CAM-Optimierung, Standzeit- und Ausfallprognosen (Predictive Maintenance), Kapazitätsplanung, automatische Kalkulation aus STEP-Dateien und die optische Qualitätsprüfung von Bauteilen: Diese Anwendungen stehen nicht im Hochrisiko-Katalog des Anhang III. Es gelten aber die allgemeinen Pflichten – allen voran die KI-Kompetenz Ihrer Mitarbeitenden (Art. 4).
Wo es doch Hochrisiko werden kann
- KI als Sicherheitsbauteil einer Maschine: Steuert oder überwacht die KI sicherheitsrelevant (etwa eine Schutzfunktion), kann sie über die EU-Maschinenverordnung als Anhang-I-Produkt zum Hochrisiko-System werden.
- KI im Personalbereich: Bewerber-Vorauswahl, Eignungsbewertung oder Leistungsüberwachung von Beschäftigten zählen ausdrücklich zu Anhang III – also Hochrisiko, auch im Handwerksbetrieb.
- Biometrische Erkennung am Werkstor oder zur Zeiterfassung kann je nach Ausgestaltung streng reguliert oder unzulässig sein.
Die Maschine, die ein Teil prüft, ist selten das Problem. Die KI, die Bewerber vorsortiert, ist es eher – das übersehen viele Betriebe.
Pflichten, die fast immer gelten
Unabhängig von der Risikoklasse gilt seit dem 2. Februar 2025 die KI-Kompetenz-Pflicht (Art. 4): Anbieter und Betreiber müssen mit angemessenen Maßnahmen nach besten Kräften für ausreichende KI-Kompetenz ihrer Mitarbeitenden sorgen – eine verhältnismäßige Bemühenspflicht. Setzen Sie Chatbots oder KI-generierte Texte und Bilder ein, kommen Transparenzpflichten nach Art. 50 hinzu: Nutzer müssen erkennen können, dass sie mit KI interagieren bzw. dass Inhalte KI-generiert sind.
So gehen Sie vor
- KI-Anwendungen erfassen – auch zugekaufte Software-Funktionen
- Je Anwendung die Risikoklasse bestimmen (besonders: Maschinen-Sicherheit und Personal-KI)
- AI-Literacy-Schulung aufsetzen und dokumentieren
- Transparenzhinweise dort ergänzen, wo Art. 50 greift
- Das Ganze in ein schlankes ISO-42001-System gießen – als Nachweis nach innen und außen
Häufige Fragen
Ist unsere KI-Bauteilprüfung Hochrisiko?+
In der Regel nein – die optische Qualitätsprüfung steht nicht im Anhang III. Hochrisiko wird es erst, wenn die KI eine Sicherheitsfunktion einer Maschine übernimmt (Anhang I über die Maschinenverordnung). Das ist im Einzelfall zu prüfen.
Wir nutzen KI bei der Bewerberauswahl – ist das reguliert?+
Ja, und zwar streng: KI zur Vorauswahl oder Bewertung von Bewerbern und Beschäftigten gehört zum Hochrisiko-Katalog (Anhang III) – unabhängig von der Betriebsgröße. Hier gelten erhöhte Pflichten zu Transparenz, menschlicher Aufsicht und Dokumentation.
Verschiebt der Digital Omnibus die Pflichten?+
Die vorläufige politische Einigung vom 7. Mai 2026 sieht vor, die Hochrisiko-Pflichten zu verschieben (Anhang III auf den 2.12.2027, Anhang I auf den 2.8.2028) und die KI-Kompetenz-Anforderungen zu entspannen. Das ist aber noch nicht verabschiedet – bis dahin gilt der Originaltext.
Autor & fachliche Prüfung: Lars Zimmermann · ISO/IEC 42001 Senior Lead Auditor (PECB)
Stand: 27. Mai 2026. Inhalt nach bestem Wissen recherchiert und fachlich geprüft; ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Quellen & weiterführend
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