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Audit-Praxis 8 Min. Lesezeit· von Lars Zimmermann

Beratung, internes Audit, Third-Party-Audit: Wer prüft was?

Drei Audit-Rollen, drei verschiedene Aufträge. Wann braucht der Mittelstand Beratung, internes Audit oder Third-Party-Audit und warum die Vermischung gefährlich ist.

Kurz gesagt

Beratung, internes Audit und Third-Party-Audit unterscheiden sich im Auftrag und in der Unabhängigkeit. Der Berater baut das Managementsystem mit auf, das interne Audit ist die verpflichtende Selbstprüfung der Organisation, und nur eine akkreditierte Zertifizierungsstelle darf im Third-Party-Audit ein akkreditiertes Zertifikat ausstellen. Wer ein System aufbaut oder berät, darf es nicht zugleich akkreditiert zertifizieren (ISO/IEC 17021).

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„Berater, Auditor, Zertifizierer, ist das nicht alles dasselbe?" Diese Frage höre ich im Mittelstand jede Woche. Und jedes Mal wird mir kurz heiß. Denn dahinter steckt nicht nur Begriffsverwirrung, sondern eine Falle, die echtes Geld kosten kann: Wer Beratung, internes Audit und akkreditiertes Third-Party-Audit in einen Topf wirft, holt sich die falsche Leistung zum falschen Preis ins Haus und wundert sich später, warum das Zertifikat nicht durchkommt oder die Aufsicht Rückfragen stellt.

Hand aufs Herz: Die drei Audit-Rollen unterscheiden sich nicht in einer Nuance. Sie unterscheiden sich im Auftrag, in der Verantwortung, in der Unabhängigkeit und in dem, was am Ende rechtsfest ist. Ich erkläre das hier so, wie ich es einem Geschäftsführer am Küchentisch erklären würde, der gerade ein Angebot für ein „KI-Audit" auf dem Tisch hat und nicht weiß, ob er kaufen soll.

Drei Aufträge, drei Verantwortungen

Bevor wir über Preise oder Anbieter reden, müssen wir den Auftrag sauber sortieren. Denn jede der drei Rollen hat ein eigenes Ziel. Wer das verwechselt, kauft die teuerste Leistung mit dem geringsten Nutzen ein.

1. Beratung (Consulting / Implementer)

Der Berater baut mit. Er hilft Ihnen, das Managementsystem nach ISO 42001 oder ISO 27001 aufzubauen, schreibt mit Ihnen Richtlinien, definiert Rollen, schult Mitarbeiter, macht Risikoanalysen und schließt Lücken. Er ist parteiisch, auf Ihrer Seite. Das ist nicht negativ gemeint, im Gegenteil: Ein guter Berater hat das Ziel, dass Sie zertifizierungsreif werden. Punkt.

Was Beratung nicht ist: ein unabhängiges Urteil. Wer das eigene System aufbaut, kann es nicht objektiv prüfen. Das ist keine Frage der Moral, sondern der menschlichen Logik, niemand findet die eigenen blinden Flecken zuverlässig. Genau deshalb ist Beratung von Zertifizierung getrennt.

Ein Berater ist wie ein Architekt. Er baut Ihnen ein gutes Haus. Aber er ist nicht der Bausachverständige, der am Ende die Abnahme macht.

2. Internes Audit (First-Party-Audit)

Das interne Audit prüft Ihr eigenes Managementsystem, durchgeführt von Ihnen, im Auftrag der Geschäftsleitung. Es ist Pflicht: ISO 42001 verlangt es genauso wie ISO 27001 und ISO 9001. Ohne internes Audit kein Zertifikat, weil die Norm explizit nachweisbare Selbstprüfung fordert.

Internes Audit kann gemacht werden von:

  • Eigenen Mitarbeitern mit Auditor-Qualifikation und ausreichender Unabhängigkeit vom geprüften Bereich (kein eigener Bereich auditieren!).
  • Externen Auditoren, die als Dienstleister einspringen, wenn das interne Know-how fehlt, das ist legitim und sehr verbreitet im Mittelstand.

Was internes Audit nicht ist: ein akkreditiertes Zertifikat. Es ist ein Pflicht-Schritt im PDCA-Zyklus Ihres Managementsystems, kein Marktnachweis nach außen. Aber: Wer hier ehrlich auditiert, geht entspannt ins Stage-2-Audit der Zertifizierungsstelle. Wer hier schlampt, baut das Risiko mit hinein.

3. Third-Party-Audit (akkreditiertes Zertifizierungs-Audit)

Das Third-Party-Audit wird von einer akkreditierten Zertifizierungsstelle durchgeführt, in Deutschland überwacht durch die DAkkS. Nur diese Stelle darf ein akkreditiertes Zertifikat ausstellen. Das ist die Form, die Kunden, Behörden und Aufsicht als Nachweis akzeptieren.

Diese Stelle ist unabhängig, an die ISO/IEC 17021 gebunden und prüft nach einem klar dokumentierten Verfahren in zwei Stufen (Stage 1: Dokumentenprüfung; Stage 2: Vor-Ort-Audit). Der Auditor der Zertifizierungsstelle darf weder Sie beraten haben, noch Ihr System aufgebaut haben, noch wirtschaftlich von Ihnen abhängig sein.

Ich selbst arbeite als Senior Lead Auditor ISO/IEC 42001 und Lead Auditor ISO/IEC 27001 (PECB), auch im Auftrag von Zertifizierungsstellen, wenn diese mich als externen Auditor beauftragen. Über 1.200 dokumentierte Auditstunden in fünf europäischen Ländern, Niederlande, Schottland, Kroatien, Serbien, Türkiye und in fünf verschiedenen Branchen von Luftfahrt bis Präzisionstechnik. Aber: Beratung und akkreditiertes Zertifizierungs-Audit darf ich nicht beim selben Mandanten machen. Niemals.

Zwischenruf: Wo passt Second-Party rein?

Manchmal taucht der Begriff Second-Party-Audit auf. Das ist das Lieferanten-Audit: Sie prüfen einen Lieferanten in Ihrem Auftrag, nicht akkreditiert, sondern als Kunde gegenüber dem Anbieter. Wichtig: Das ist kein Ersatz für eine ISO-Zertifizierung. Aber es ist die Form, in der ich oft tätig bin, wenn ein Unternehmen mich beauftragt, einen seiner KI-Dienstleister oder Subunternehmer zu auditieren.

Wann brauche ich was?

Hier die Entscheidungs-Logik aus meiner Praxis. Sie ist nicht akademisch, sie ist aus Mandaten gewachsen.

  • Sie wollen ISO 42001 aufbauen, haben aber noch kein Managementsystem? → Beratung / Gap-Analyse / Implementierungsbegleitung. Erst System bauen, dann auditieren.
  • Sie haben das System gebaut und wollen vor dem Zertifizierungs-Audit wissen, wo es noch hakt? → Internes Audit durch einen externen Auditor (jemand, der nicht beim Aufbau dabei war). Realitäts-Check vor Stage 2.
  • Sie wollen das akkreditierte Zertifikat? → Third-Party-Audit über eine akkreditierte Zertifizierungsstelle. Punkt. Kein Berater darf das ausstellen.
  • Sie wollen einen KI-Lieferanten überprüfen, mit dem Sie zusammenarbeiten? → Second-Party-Audit. Lässt sich gut mit Vertraulichkeitsvereinbarung kombinieren.
  • Sie sind bereits zertifiziert und brauchen die jährliche Überwachung? → Surveillance-Audit, wieder durch dieselbe Zertifizierungsstelle (Re-Zertifizierung alle drei Jahre).

Die Vermischungs-Falle: Warum es brennt, wenn Rollen sich kreuzen

Im Markt gibt es Anbieter, die alles in einer Hand anbieten: Beratung plus Audit plus „Zertifikat". Das klingt bequem. Es ist aber rechtlich und sachlich problematisch. Gründe:

  • Unabhängigkeit nach ISO/IEC 17021: Eine akkreditierte Zertifizierungsstelle darf weder beraten noch implementieren, sonst verliert sie ihre Akkreditierung.
  • Glaubwürdigkeit am Markt: Kunden und Aufsichtsbehörden erkennen sehr gut, ob ein Zertifikat von einer akkreditierten Stelle stammt oder von einem Berater, der sich ein eigenes Logo gebastelt hat.
  • Haftung im Streitfall: Wenn etwas schiefgeht (Datenschutz-Verstoß, KI-Bias-Vorfall, Aufsichts-Verfahren), prüft die Behörde, wer welches Audit zu welchem Zweck durchgeführt hat. Vermischte Rollen schwächen Ihre Verteidigungsposition.

Mein Test, wenn mir ein Mandant ein „KI-Audit-Paket" eines Anbieters auf den Tisch legt: Frage ich, wer das Zertifikat ausstellt. Wenn die Antwort lautet „wir selbst", Finger weg. Wenn die Antwort lautet „über eine akkreditierte Stelle wie TÜV, DEKRA, DQS oder eine ähnliche", dann kann ich genauer hinschauen.

Was ich selbst nicht mache und warum das ein Qualitätsmerkmal ist

Klare Ansage von meiner Seite: Ich bin Auditor und Berater. Ich kann interne Audits durchführen, Gap-Analysen, Implementierungsbegleitung, Lieferanten-Audits. Ich kann auch als externer Auditor für akkreditierte Zertifizierungsstellen arbeiten, als Subunternehmer im Mandat.

Was ich nicht mache: ein „eigenes Zertifikat" ausstellen. Das wäre wertlos, würde meine Brand zerstören und wäre in der Vermarktung gegenüber Behörden und Auftraggebern irreführend. „Der KI-Auditor" ist eine Marke der FERNAU Präzisionstechnik GmbH, nicht eine Zertifizierungsstelle. Diese Trennung ist bewusst. Sie ist mein Qualitätsmerkmal.

Wer dir sagt, er sei Berater, Auditor und Zertifizierer in einem, hat das System nicht verstanden. Oder er hofft, dass du es nicht verstehst.

Die zwei Regeln, die jeder Geschäftsführer kennen sollte

Wenn Sie sich nur zwei Dinge merken:

  • Regel 1: Wer Sie aufbaut, darf Sie nicht zertifizieren. Beratung und akkreditierte Zertifizierung sind getrennt, per Norm, per Akkreditierungsregel, per gesundem Menschenverstand.
  • Regel 2: Nur akkreditierte Zertifizierungsstellen stellen akkreditierte Zertifikate aus. Alles andere ist eine Bestätigung, aber kein Marktnachweis im Sinne der Norm.

Mit diesen zwei Regeln in der Tasche bewerten Sie jedes Audit-Angebot in 30 Sekunden. Und Sie sparen sich teure Fehlkäufe, nicht nur in Euro, sondern in Vertrauen gegenüber Kunden und Aufsicht.

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Häufige Fragen

Darf mein Berater mich auch zertifizieren?+

Nein, jedenfalls nicht akkreditiert. Beratung und akkreditierte Zertifizierung müssen aus Unabhängigkeitsgründen getrennt sein (ISO/IEC 17021). Wer Ihr System aufbaut, darf nicht zugleich das Zertifikat ausstellen. Falls jemand das anbietet, ist das Zertifikat nicht akkreditiert und damit am Markt deutlich weniger wert.

Brauche ich überhaupt ein Third-Party-Audit für ISO 42001?+

Es kommt darauf an, wofür Sie das brauchen. Wenn Sie das Zertifikat als Marktnachweis vor Kunden oder Aufsichtsbehörden brauchen, ja. Wenn es Ihnen rein um interne Governance geht, kann eine externe Gap-Analyse plus internes Audit reichen. Frage ist immer: Wer akzeptiert nachher diesen Nachweis?

Kann ein interner Auditor das Zertifikat ausstellen?+

Nein. Das interne Audit ist Pflicht-Bestandteil des Managementsystems und Voraussetzung für die akkreditierte Zertifizierung. Aber das Zertifikat selbst stellt nur die akkreditierte Zertifizierungsstelle aus. Der interne Auditor liefert die Selbstprüfung, die externe Stelle prüft anschließend objektiv.

Wann ist eine Gap-Analyse besser als ein internes Audit?+

Eine Gap-Analyse passt, wenn Sie noch nicht zertifizierungsreif sind und erst wissen wollen, wo Sie stehen. Sie ist eine Stichprobe gegen die Norm, kein vollständiges Audit. Das interne Audit ist die formale Pflicht-Selbstprüfung nach Aufbau des Systems. In der Praxis kommt erst die Gap-Analyse (vor System-Aufbau), dann das interne Audit (vor Zertifizierungs-Audit).

Was kostet ein Third-Party-Audit für ISO 42001?+

Die Preise variieren stark nach Größe der Organisation, Geltungsbereich des Managementsystems, Anzahl der Standorte und Auditzeit (Mandays). Ein Vergleichsangebot mehrerer akkreditierter Zertifizierungsstellen (TÜV, DEKRA, DQS oder PECB-Partner-Zertifizierungsstellen) lohnt sich. Erfundene Preisspannen helfen Ihnen nicht, fragen Sie direkt bei zwei oder drei Stellen mit Ihrem konkreten Geltungsbereich an.

Autor & fachliche Prüfung: Lars Zimmermann · ISO/IEC 42001 Senior Lead Auditor & ISO/IEC 27001 Lead Auditor (PECB)

Auditor mit Stallgeruch, Geschäftsführer eines produzierenden Mittelständlers, der KI-Managementsysteme und Informationssicherheit prüft und aufbaut. Mehr über mich.

Stand: 01. Juni 2026. Inhalt nach bestem Wissen recherchiert und fachlich geprüft; ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

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